Hochtourengruppe

Berichte und Wissenswertes

Berichte und Wissenswertes

Wir berichten in Auszügen über das Erlebte in den letzten Monaten.

Eisklettern Pitztal Taschachschlucht

17. Februar 2020 - 18. Februar 2020, Mandarfen.

Am Montag früh ging es vom Park and Ride Memmingen Süd ins Pitztal. 

Da es Tage davor schon viel zu warm war für die Jahreszeit und es im Allgäu eher nach Felsklettern als Eisklettern aussah, war nicht ganz klar welche Eisverhältnisse uns vor Ort erwarten würden.Um ca. 9.00 Uhr im Pitztal angekommen fanden wir in der Taschachschlucht dennoch gutes Eis zum Klettern.

Am ersten Tag erklärte Holger nach den ersten Eigenversuchen, die verschiedenen Techniken wie die Paralleltechnik oder Diagonaltechnik. Zudem auch einige Tipps und Tricks wie man sicher steht und die Eisgeräte(keine Pickel ?) schwungvoll aus dem Handgelenk richtig in Eis hämmert. Wir konnten den Tag gut nutzen sodass wir nahezu bei Sonnenuntergang gegen 17.00 Uhr zu unserer Unterkunft dem Romedihof in Imst aufbrachen. Die Unterkunft war sehr schön gestaltet, mit günstigem Bier ausgestattet und nach dem Ein oder anderen Kampf mit den Bettlaken brachen wir zum Abendessen auf.

Am zweiten Tag waren wir anders als beim ersten Tag im vorderen Teil der Taschachschlucht wo uns eine Blumenkohlwand aus Eis und andere knifflige Routen erwarteten. An diesem Tag konnten die Neulinge von Anfang an die neu erlernten Techniken anwenden und verbessern und die erfahrenen ihre Technik und ihr können erneut unter Beweis stellen. Es wurde auch fleißig das Schrauben geübt und die Standplatzbasics von Holger erläutert.

Erwähnenswert sind natürlich auch die Drytoolingversuche an beiden Tagen, indem kein Unterarm vor dem Zugehen bewahrt wurde und das ein oder andere Eisen Funken schlug. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Holger für die genialen zwei Tage und die super Organisation! Der ein oder andere wird hierdurch sicherlich ein neues Hobby entdeckt haben sei es am Eis oder mit voller Ausrüstung am Fels. ?

Autor: Yannick Waletzek

Sagra dei Crotti 2019

06. September 2019 - 08. September 2019, Chiavenna.

Dieses Jahr ging es wieder nach Chiavenna zur Sagra dei Crotti. Was mittlerweile Tradition sei, so ließ ich mir das sagen. Das Fest, welches Freitagabend – Sonntag stattfindet, ist für eine Menge guten Wein, leckeren in den Grotten gereiften Käse oder leckere Wurst und für seine eindrückliche Landschaft bekannt. Dementsprechend schön und lustig waren die Abende.

Überzeugt hat in diesem Jahr wohl die Grotte, die am Ende des Abends gar nicht aufhören konnte uns mit seinen feinen Speisen zu beglücken.  Tagsüber fanden sich unterschiedliche Gruppierungen anhand der gewünschten Aktivitäten zusammen. Von einer wohl sehr gelungenen Mountainbiketour mit Einkehr, über Mehrseillängenkletterei am Wasserfall in der Nähe des Campingplatzes, bis zur Stadtbummelei in der vermutlich keine Geldbörse mehr sicher war, war doch so einiges geboten. ?

Letztendlich sei gesagt war es ein schönes Wochenende mit dem ein oder anderen nassen Zelt am Ende(Das Flamingo-Zelt war trocken, siehe Bild). Zuletzt sei gesagt, das Fest hat sich meiner Meinung nach zu Recht als Tradition bewährt.

Autor: Yannick Waletzek

Hochtour Gran Paradiso

31. August 2019 - 05. September 2019, .

Dieses Jahr ging es unter der Leitung von Stefan in den ältesten Nationalpark Italiens: Den Gran Paradiso.

Mit dem Ziel natürlich den Gran Paradiso mit seinen 4061m zu besteigen. Die Anreise begann für die einen bereits am Freitag für die anderen in der Nacht zum Samstag. Vor Ort traf dann die T5 Fraktion auf die Nachtschwärmer an einem Wanderparkplatz im Hochtal Valsavarenche. Von dort ging es am gleichen Tag auf die erste der beiden Hütten „Rifugio Chabod“ auf 2750m. Eine kleine Hütte, die aber dennoch viel Platz bieten konnte für viele die den Gran Paradiso besteigen wollten. Wir ließen den Tag an der Hütte ausklingen bei gutem Essen, dem ein oder anderen „Panache“ und natürlich gutem „Vino del Cassa“. Am nächsten Morgen ging es dann bereits schon früh los. Das Ziel war das „Biwack Sberna“ welches auf Rund 3414m liegt. Hier konnten wir bereits nach kleinem gekraxle über Felsblöcke die Steigeisen aufschnallen und später am übrig gebliebenen Gletscher als Sechser Seilschaft gehen. Durch den Gletscherschwund war es uns leider nicht möglich das Biwack zu erreichen und wir fokussierten uns dadurch auf die Tipps und Tricks von Stefan, mit dem Gehen von Steigeisen und simulierten die ein oder andere Situation am Gletscher ?.

Der Tag endete wieder gegen Nachmittag an der Hütte bei gefühlt 20 Runden Offiziersskat, Mau-Mau und dem ein oder anderen Nickerchen um Kraft zu tanken oder Schlaf nachzuholen. Nach zwei Nächten auf dieser Hütte sollte es bereits am nächsten Tag zur zweiten Hütte der „Rifugio Vittorio Emanuelle II“ auf 2735m über einen Panoramaweg gehen. Nachdem wir am nächsten Tag an der zweiten Hütte ankamen und uns mit Kaffee versorgten, gingen wir bereits schon die erste Strecke des Gran Paradiso Normalweges. Aufgrund der Wetterlage beschlossen wir am nächsten morgen bereits die Tour zum Gran Paradiso über den Normalweg zu gehen.

Früh am Morgen ging es am Dienstag über den bereits bekannten Weg zum Gletscher. Am Anseilplatz wurden wieder Steigeisen, Pickel und Gurt ausgerüstet. Nach dem Anseilen ging es dann über eine bereits ausgetretene Firnstrecke zum Gipfel. Unterwegs gab es beeindruckende Gletscherlandschaften mit 2-3 Spalten und wunderschönen Panorama. Das Wetterglück war vollkommen auf unserer Seite, so konnte man am Himmel weit und breit keine Wolke entdecken und die Fernsicht auf die Großen, wie den Mont Blanc, war permanent gegeben. Kurz vor einer kleinen Gipfelkletterei im zweiten Grad gab es noch eine kurze 40 Grad Mischung aus Eis und Firn zu überwinden. Und Schwups stand man neben der schick dekorierten Madonna auf dem Gipfel. Weit und breit bis auf ein Nebelmeer Richtung Turin im Südosten keine Wolke zu sehen. Leider wurde der Genuss durch eine andrängende Herde unterbrochen und man konnte von Glück sprechen „nur“ fünf Minuten auf dem Gipfel verbringen zu dürfen. Beim Abstieg wurde wieder die ein oder andere Spalte übergangen und an den Besten und entspanntesten Ausblicken gerastet. An der Hütte angekommen immer noch bei bestem Wetter konnte man den Tag wieder bei Panache oder Rotwein Revue passieren lassen.

Am letzten Tag auf der Hütte wollten wir noch den Gipfel „Tresenta“ auf 3609m besteigen. Allerdings war dieser ebenso durch den Gletscherschwund, nur durch bröckeliges und rutschiges Gestein bis zum Gipfel machbar. Darum entschieden wir uns in einer Scharte in die Sonne zu setzen. Der Abstieg ging dann durch abenteuerliche Wegfindung über Gletscher und Fels zurück zur Hütte. Letztendlich stiegen wir dann am Letzten Tag, dem Donnerstag ins Tal ab. Indem die meisten sich auf die Fahrt nach Chiavenna zur „Sagra dei Crotti“ aufmachten. An dieser Stelle vielen Dank für die schönen Tage und die super Organisation der Tour!

Autor: Yannick Waletzek

Hochtouren um Kandersteg

06. Juli 2019 - 11. Juli 2019, Berner Oberland.

Hochtouren um Kandersteg

Müsste man diese Tour mit Hashtags versehen, mir würden gleich ein paar einfallen: #Bachüberquerung #Geröllhaufen #EssenbisderBauchspannt #perfektesRegenTiming #lilaBlümli

Aber beginnen wir von vorne. Der Wecker klingelte um 4 Uhr! Viel zu früh, stand doch nur der Hüttenanstieg an.

Da wir (das waren Martina, Markus und Holger) aber den am Nachmittag vorhergesagten Gewittern und Regen aus dem Weg gehen wollten, blieb uns fast nichts anderes übrig, als mitten in der Nacht Richtung Berner Alpen aufzubrechen. Anfänglich mit der Seilbahn, dann gemütlich am Daubensee entlang, an „kalbenden“ Schneefeldern vorbei und zum Schluss steil ansteigend zur Lämmerenhütte (2502 m) hinauf, die für drei Tage unser Quartier werden würde. Die Hütte sitzt auf einem kleinen Hochplateau oberhalb des Lämmerenbodens, zwischen den Ausläufern des Wildstrubels und des Lämmerentals. Wie erhofft kamen wir noch rechtzeitig vor dem Regen an und verbrachten den Rest des Tages mit Kuchen essen und Schlaf nachholen – es gibt sicher schlechtere Beschäftigungen...

Die erste Tour zum Eingehen sollte auf den Roten Totz (2847 m) und über den Ostgrat auf das Steghorn (3146 m) führen. Bereits kurz nach der Hütte war das Lämmerental fast durchgehend mit Schnee bedeckt, so dass wir einfach im Schnee Richtung Rote Totz Lücke emporstiegen und den eigentlichen Weg, der am Grat entlanglief, ignorierten. Nur wenige Meter vor dem ersten Gipfel überzeugte uns aber lautes Donnergrollen davon, unser Vorhaben eher möglichst schnell abzubrechen. Da der einsetzende Nieselregen aber schnell wieder aufhörte und das Gewitter südlich an uns vorbeizog, entschieden wir auf halber Strecke zur Hütte, das Steighorn doch noch in Angriff zu nehmen und zwar dem Normalweg folgend über das „Leiterli“ einem netten, kleinen, teilweise versicherten Durchschlupf durch eine Felswand. Das Steghorn erinnerte von der Form her ein wenig an den hohen Ifen und bot uns einen 1A Ausblick auf die sieben! Gipfel der nächsten Tour. Der Abstieg vom Steghorn war umso angenehmer, da wir den ein oder anderen Meter einfach auf dem Hintern sitzend den Schnee runterrutschen konnten. Zugegeben, das erste Mal eher unfreiwillig, da es aber prima funktionierte, zogen alle anderen schnell nach und hatten dabei eine Mords Gaudi. Kurz vor der Hütte setzte dann auch der nächste Regenschauer ein, was uns aber ziemlich egal war, da wir quasi schon im Trockenen waren. Das 4 Gänge Essen auf der Hütte war super lecker und es gab Nachschlag bis zum Abwinken – was leider jeden Abend zu einer gewissen Fressstarre führte…

Die vielen Kalorien konnten wir am nächsten Tag gut gebrauchen. Das Lämmerenhufeisen stand auf dem Plan, also sieben 3000er am Stück: Schwarzhorn, Rothorn, Schneehore, Chlis Schneehore, Wildstrubel, Wildstrubel Mittelgipfel und Großstrubel! Früh am Morgen machten wir uns auf. Die erste Aufgabe war es, den Gletscherbach zu überqueren, da die Brücke leider erst in der kommenden Woche installiert werden würde. Unsere Hoffnung war, dass das Schmelzwasser über Nacht nachlassen würde und wir irgendwo drüber hüpfen können. Dummerweise hatte es aber relativ viel geregnet, auch nachts noch, so dass der Wasserstand eher noch höher war als am Vortag. Es half alles nichts, Hose hochkrempeln, Stiefel ausziehen und eine erfrischende Kneippkur in der Morgendämmerung einlegen…  So, nun war wirklich jeder wach… Das nächste Highlight war das Bezwingen der Felsabbrüche des Schwarzhorns. Es sollte über zwei Leitern und einem Brett mit Tiefblick gehen. Von Weitem machte die eine Leiter schon einen sehr seltsamen Eindruck…irgendwie verdreht, so als ob man sie quasi rücklings im Überhang hochsteigen müsste… Bei näherer Betrachtung stellt sich tatsächlich heraus, dass das Teil mittig um 180° verdreht war und wie ein Kuhschwanz wackelte. Ups! Holger versuchte noch, die Stelle zu umklettern und uns nachzusichern, aber das brüchige Gestein hätte keine vernünftige Sicherung zugelassen und mit Bergstiefeln an den Füßen wäre es auch nicht so ganz trivial gewesen. Also gut, Abbruch und Plan B. Es gab früher einen anderen Weg, der anfangs über den Lämmerengletscher führt, der aber aufgrund der abschmelzenden Gletscher nicht mehr empfohlen wird. Wir machten uns also in Richtung des anderen Weges auf und stießen alsbald auf relativ neue Markierungen. Komisch, aber egal. Diesen folgend gelang man relativ einfach über den steilen felsigen Teil und querte dabei sehr idyllisch einen der vielen kleinen Wasserfälle in der Wand. Nun ja, später auf der Hütte erfuhren wir, dass die Leiter schon im vorletzten Winter demoliert wurde und der neue Weg bereits seit einem Jahr eingerichtet war – na, das hätte man uns auch vorher sagen können, wir hätten uns gut eine halbe Stunde Irrweg gespart. Nach einem kleinen, eigentlich unnötigen Schlenker über den Gletscher hatten wir dann geschwind den ersten Geröllhaufen, pardon, ich meine natürlich Gipfel in der Tasche, das Schwarzhorn (3104 m). Zum nächsten Gipfel ging es dann wieder zurück auf den Gletscher und zum Schneejoch. Um zum Joch hoch zu kommen, mussten wir ein paar Meter hoch klettern, nicht wirklich schwierig, aber jeder vermeintliche Griff erwies sich doch wieder nur als loser Brocken. Holger hatte daher so seine Mühe, eine vernünftige Sicherung aufzubauen und stopfte sein halbes Sicherungsportfolio ins bröckeliche Gestein. Danach folgte nun die Geröllhaufenparade im permanenten bergauf und bergab: Rothorn (3103 m), Schneehore (3179 m), Chlis Schneehore (3147 m) und Wildstrubel (3244 m). Ein Geologe hätte seine wahre Freude gehabt. Die Gesteinsbrocken änderten alle paar Meter sowohl die Form als auch die Farbe: Schieferartig in schwarz, braun oder ocker, mal flach, mal senkrecht geschichtet, dann wieder größere Brocken in grau, braun oder gelb…und zwischen drin, es erstaunt mich immer wieder, nette kleine lila Blümchen. Unsere späteren Recherchen ergaben, dass es sich wahrscheinlich um Polsternelken handelte, die dank langer Pfahlwurzeln auch in dieser mega tristen Umgebung noch an Nährstoffe kommen. Am „Gipfel“ des Wildstrubels – er erinnerte doch sehr an ein leicht gebogenes Geröll-Fußballfeld - meinte das Wetter endgültig auf garstig wechseln zu müssen. Uns wehte eine heftige Brise ins Gesicht und Nebel verkürzte dich Sicht auf ein paar zig Meter… ausgerechnet jetzt, wo es auf den Wildstrubelgletscher gehen sollte. Nach kurzer Peilung mit dem Kompass kamen wir aber trotzdem zielsicher am Wildstrubel Mittelgipfel an. Für die komplette Runde fehlte jetzt nur noch der Großstrubel, je nachdem nochmal 1.5 – 2 Std extra, evt mit Rückkehr zum Mittelgipfel, wenn der andere Abstieg nicht gehen sollte. Eine zweidrittel Mehrheit (? ) sorgte dann aber doch für den direkten Abstieg Richtung Hütte. Es hatte auch niemand ahnen können, dass es bereits 30 Min später wieder komplett aufreißen würde und uns die Sonne für eine Weile ins Gesicht lachte. Fürs Regentiming war die Entscheidung aber wieder goldrichtig, denn wieder kurz vor der Hütte bescherte uns Petrus etwas Nass von oben, was uns abermals nicht wirklich etwas ausmachte.

Der nächste Tag war im Prinzip nur ein Transfertag zum Berghotel Schwarenbach, den Holger mit einem Schlenker durchs „Tälli“ entlang des Engstligengrats und einem Besuch auf dem Tschingellochtighore (nein, meine Tastatur hat keinen Hänger!) ordentlich aufpeppte. Der Tschingellochtighore erfreute die Kletterfreunde mit einer Seillänge netter Kletterei. Allerdings erfolgte der Zustieg – wer hätte es geahnt – wieder durch eine rutschige, steile Schutthalde, bevor man sich dann genussvoll einen Kamin schlangenartig „hochtschingeln“ durfte… Unser weiterer Weg führte uns noch über Waldiswang und Schwarzgrätli Richtung Schwarenbach, obligatorisch mit leicht einsetzendem Regen kurz vorm Hotel…

Dass das Essen im Hotel etwas nobler sein könnte, war nicht ganz überraschend, dass es aber von allen Gängen abermals Nachschlag gab schon. Da war sie wieder, die Fressstarre nach dem „Nachtessen“, wie die Schweizer das Abendessen nennen.

Am nächsten Tag stand das absolute Highlight an, das Balmhorn und Petrus bescherte uns zur großen Freude endlich mal ein beständiges Hoch ohne Gefahr von Regenschauern. In der Morgendämmerung machten wir uns auf, um den Fuß des Chli Rinderhorns herum auf den Schwarzgletscher. Nachdem weit und breit keine Spalten zu erkennen waren, stiegen wir ohne Seil den zum Schluss gut 35° steilen Gletscher schweißtreibend zum Zackengrat auf 3034 m hinauf. Am Grat angekommen bot sich uns ein sensationeller Blick vom Wallis bis zur Mont Blanc Gruppe und lud definitiv zu einer kleinen Pause ein. Der Zackengrat war für hochalpine Verhältnisse sehr gutmütig, fast schon wie eine Autobahn, reines Gehgelände und so breit, dass man einfach entlang spazieren konnte. Nach ca. 350 Höhenmeter erreichten wir wieder vergletschertes Terrain, der letzte Aufschwung zum Gipfel. Insgesamt war dieser knapp unter 30° und somit eigentlich recht einfach aber zu beiden Seiten steil abfallend und somit doch Absturzgelände und leider gänzlich aper. Es gab somit nur zwei vernünftige Möglichkeiten entweder ganz ohne Seil oder als Seilschaft gesichert durch Schrauben. Da wir zeitlich nichts zu befürchten hatten, wählte Holger die zweite Variante und drehte ein paar Eisschrauben mit T-Blocks ins Eis. Kurz vor dem Gipfel wurde es wieder flacher, schneebedeckt und definitiv auch spaltiger. Wir mussten noch eine schmale, wenig vertrauenswürdige Schneebrücke überqueren und dann waren wir auch schon oben, auf 3697 m mit einem phantastischen Rundblick auf alles was in den Westalpen Rang und Namen hat: Eiger, Mönch, Jungfrau, Dom, Monte Rosa, Matterhorn und natürlich auch der Mont Blanc im Westen. Wir waren tatsächlich allein am Gipfel und genossen die ausgiebige Pause. Trotz bestem Wetter waren an diesem Tag außer uns nur noch zwei Einzelgeher! und eine Zweiergruppe am Gipfel, zeitlich aber so versetzt, dass jeder seine Ruhe hatte. Der Abstieg folgte der Aufstiegsroute, den ersten Gletscher teilweise am Fixseil, den zweiten bequem im weichen Firn direttissimo nach unten. Die üppige Schneeauflage reichte noch weit unterhalb des Gletscherbereichs. Doch die Freude über den bequemen, knieschonenden Abstieg im Schnee, wich bald der Erkenntnis, dass links von uns der Bach unter der Schneedecke gluckerte und uns somit auf die rechte Uferseite des Baches trieb. Blöd, dass unser Weg eigentlich links vom Bach weiter ging und die Wassermassen schon so mächtig waren, dass wir leider nicht mehr drüber springen konnten. Na gut, dann halt rechts vom Bach weiter, wohlwissend, dass uns dann wieder gute 100 mH Gegenanstieg erwarten würden. Irgendwann tauchte dann doch noch ein weiterer Weg nach links auf, der uns den Umweg evt. doch noch verkürzen würde. Doch auch hier hieß es irgendwie über den Bach kommen, denn Brücken gab es keine. Mit sehr beherzten Sprüngen schafften wir es tatsächlich trocken auf die andere Seite, der schweißtreibende Gegenanstieg zum Hotel blieb uns aber trotzdem nicht erspart.

Vom Balmhorngipfel hatten wir schon eine gute Sicht auf das Rinderhorn, das durch eine stattliche Figur glänzte und unser letztes Ziel in dieser Woche werden würde. Nun ja, der Weg auf immerhin 3449 m würde mal wieder über viel Geröll, Null Gletscher und ein bißchen Firn führen. Das Ganze müssten wir natürlich auch wieder runter und noch weiter bis zum Sunnbüel absteigen. Tja, nach der wirklichen tollen Tour aufs Balmhorn war diese Aussicht irgendwie nicht mehr ganz so verlockend. Stattdessen stieß der Gegenvorschlag mit Ausschlafen und dann noch ein wenig Sportklettern im Winteregger Klettergarten schnell auf allgemeinen Zuspruch. Manchmal ist weniger mehr ?. Auf diese Weise hatten wir außerdem unsere Kletterschuhe und Exen nicht umsonst mitgeschleppt. Beim abschließenden Einkehren konnten wir dann ein letztes Mal unsere Euros und Fränklis hin und her schachern und beendeten sechs tolle Tage in den Berner Alpen mit ca. 90 km in den Beinen und 5500 Höhenmeter gänzlich ohne Muskelkater. Da kann man definitiv von perfekter Tourenplanung sprechen. Vielen Dank Holger für eine sehr schöne Woche in der wir fast alles abgegrast haben, was das Gebiet so hergibt!

Autor: Martina Wein

Genuss-Hochtour aufs Vrenelisgärtli

20. - 21. Oktober 2018, Glarus / Glärnisch Hütte.

Der Sage nach lebte einst ein furchterregender und erbarmungsloser Berggeist in den Bergen um Glarus. Dieser hatte eine wunderschöne Tochter namens Vreneli, welche er in einem von spitzen Felsen umzäunten Garten versteckte. Nachdem er seine Tochter in flagranti mit einem Jüngling erwischte, verwandelte er diese in einen Stein und der Garten wurde von Eis und Schnee überzogen. 

Es heißt in der Sage, man könne Vreneli wieder zum leben erwecken, wenn man den richtigen Stein dreimal küsst. An einem schönen Samstag machten wir uns zu Acht auf den Weg, um das Reich des Berggeistes in den Glarner Alpen zu erkunden. Die Bilder, die wir im Internet vom Vrenelisgrätli gesehen hatten, verhießen schroffe Felswände, schmale, schwindelerregende Grate und schneebedeckte Berge. Davon sahen wir aber erst einmal nichts als wir gegen 12 Uhr den Parkplatz am Klöntaler See erreichten, denn im Tal waberten dicke Nebelschwaben umher. Der Aufstieg zur Glärnisch Hütte (etwa 1200 Höhenmeter) führte uns zunächst auf einer Fahrstraße durch einen Wald. Mit jedem Höhenmeter wurde der Nebel lichter und als wir aus dem Wald heraustraten, präsentierte sich die Bergwelt des Glärnisch in voller Schönheit. Am Ende der Fahrstraße stiegen wir über einen schmalen, steilen Pfad weiter auf und erreichten die Hütte gegen 15 Uhr – genügend Zeit um den leckeren Kuchen zu verspeisen, ein Bierchen oder Panaché (Radler) zu genießen und ein Nickerchen in der warmen Sonne zu halten. Es war übrigens der letzte Tag der Saison, an dem die gemütliche Hütte geöffnet hatte und zum Abendbrot bekamen wir alle noch reichlich Nachschlag von dem köstlichen Essen.

Nach einer angenehmen Nacht (niemand hat geschnarcht) war am nächsten Morgen gegen 7 Uhr in der Morgendämmerung Abmarsch. Bis zum Gipfel des Vrenelisgärtli waren noch etwa 900 Höhenmeter zu bewältigen. Der Weg war zunächst steil und führte an hohen Felswänden vorbei, die die Herzen der Kletterer unter uns höherschlagen ließen. Schließlich erreichten wir den Gletscher. Der Anstieg war ab hier größtenteils relativ flach und es gab eigentlich keine nennenswert großen Gletscherspalten. In der Ferne erspähten wir einige Schneehühner.

Nach einem Firnfeld erwartete uns die Schlüsselstelle der heutigen Tour, eine etwa 40 Meter hohe, fast senkrechte Felswand, die es ab zu klettern galt. Die Wand war aber mit Drahtseilen und Eisenstiften gut gesichert und nach einer Abseilaktion gelangten wir alle sicher hinunter. Der weitere Weg führte über den schmalen Schwander Grat mit Blick auf den 2000 Meter tiefer liegenden Klöntaler See zur einen Seite und dem Tödi auf der anderen Seite. Um halb 12 erreichten wir den Gipfel vom Vrenelisgärtli und konnten das traumhafte Bergpanorama unter dem fast wolkenfreien Himmel genießen. Es wehte ein kalter Wind, aber zwischen den Felsen fanden wir geschützte Stellen um uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und den Ausblick zu bewundern.

Auf dem Rückweg kehrten wir noch kurz in der Glärnisch Hütte ein, welche von den Hüttenwirten gerade winterfest gemacht wurde. Es standen trotzdem noch ein paar Stücken Kuchen für uns bereit und Christof ergatterte den letzten Rösti der Saison, auf den der Rest der Gruppe etwas neidvoll schaute. Bei beginnender Dämmerung und heraufziehenden Nebelschwaden erreichten wir gegen 18 Uhr wieder den Parkplatz und machten uns auf den Heimweg. Am Ende des Sees gab der Nebel noch einmal einen Blick auf den Schwander Grat und den Gipfel des Vrenelisgärtli frei – aus dieser Perspektive sah es aus, als würde es die 2000 Höhenmeter vom Gipfel einfach senkrecht hinunter gehen.

Den richtigen Stein, um Vreneli wieder zum Leben zu erwecken, hatten wir leider nicht gefunden, aber wir hatten trotzdem eine sehr schöne und abwechselungsfreie Hochtour, für die wir uns herzlich bei unserem Tourenführer Tim bedanken.

Autor: Stefanie Albrecht